Adam Scharrer (1889 - 1948)

 

Adam ScharrerAm 2. März 1998 jährte sich der Todestag des Schriftstellers Adam Scharrer zum 50. Mal. In Schwerin ereilte ihn 1948 der Herztod. Schwerin war die letzte Station des abenteuerlichen "Wanderweg" des mittelfränkischen Hirtensohns, der seine ländliche Herkunft als Quelle seines Schreibens heranzog.

Am 13. Juli 1889 wurde Adam Scharrer in Kleinschwarzenlohe-(heute ein Gemeindeteil von Wendelstein) geboren. Ca. 1893 übersiedelt die Familie nach Speikern (heute Gemeindeteil von Neunkirchen a. Sand). Der Vater tritt dort die Stelle des Gemeindehirten an. Bald nach der Geburt eines weiteren Kindes stirbt 1894 die Mutter Scharrers, der Vater heiratet daraufhin die Schwester der 1. Ehefrau. Aus dieser Ehe gehen in den Jahren 1894 - 1914 15 Kinder hervor.

Adam Scharrer muß täglich nach der Schule (1895 - 1903 in der evangelischen Schule in Ottensoos) Gänse hüten. Nach der Lehre bei der Firma Conrad in Lauf wandert Scharrer durch ganz Deutschland, Österreich und durch die Schweiz, unterbrochen von wechselnden Arbeitsstellen (in Pirmasens, Stettin, Braunschweig, Hamburg, Dessau, Wandsbek, Kiel). 1915 heiratet er Sophie Dorothea Berlin in Hamburg. Im Januar 1916 kommt Scharrer als Artillerist an die russische Front, Ende des Jahres wird er als Rüstungsarbeiter abkommandiert und arbeitet in Essen, später in Berlin. 1918 nimmt er am Streik der Berliner Munitionsarbeiter und tritt dem Spartakusbund bei. 1920 schließt sich Scharrer der KAPD (Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschland - einer Splittergruppe der KPD) an. Auch in den 20er Jahren arbeitet Adam Scharrer in verschiedenen Berufen (u.a. als Heizer, Mechaniker, Korrektor) in verschiedenen Städten (Ludwigshafen, Berlin). Mehrfach wird er wegen "Arbeitsmangels" oder "schlechter Geschäftslage" entlassen. Scharrer engagiert sich politisch im besetzten Ruhrgebiet.

Ab 1933 lebt Scharrer illegal in Berlin und wird von den Nazis steckbrieflich gesucht. Im Sommer flüchtet er in die Tschechoslowakei. 1934 reist er nach Moskau und nimmt an einer Studienreise durch den Süden der Sowjetunion teil. Ab 1935 lebt Scharrer in der Ukraine, dann in Peredelkino, in der Schriftstellerkolonie bei Moskau. Während der Emigrationsjahre werden viele Erzählungen über das dörfliche Leben in Franken in sowjetischen Verlagen veröffentlicht. Darin schildert Scharrer Jugenderinnerungen oder Bedrohungen durch das Naziregime. 1945 kehrt Scharrer nach Deutschland zurück und läßt sich in Schwerin nieder. Anfangs arbeitet der als Dezernent in der Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern. Er ist Mitbegründer des Kulturbundes in Mecklenburg und Mitglied der Landesleitung, außerdem ist er Mitglied des Landes- und Zonenvorstandes der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und Leiter der "Sektion Literatur" im Kulturbund, ehe er am 2. März 1948 stirbt.

Die erste vollständige Ausgabe der Werke Scharrers brachte der Aufbau-Verlag 1961 - 1979 Berlin; Weimar heraus.

Gesammelte Werke in Einzelausgaben (jeweils 1. Auflage)

1. Vaterlandslose Gesellen: das erste Kriegsbuch eines Arbeiters - 1974 - 276 Seiten

2. Der große Betrug: die Geschichte einer Arbeiterfamilie. - 1962 - 248 Seiten

3. Familie Schuhmann: Roman - 1962 - 308 Seiten

4. Maulwürfe: ein deutscher Bauernroman - 1963 - 347 Seiten

5. Der Hirt von Rauhweiler: Roman - 1961 - 269 Seiten

6. Dorfgeschichten einmal anders - 1961 - 269 Seiten

7. In jungen Jahren: Erlebnisroman eines Arbeiters - 1977 - 390 Seiten

8. Der Mann mit der Kugel im Rücken - 1979 - 626 Seiten.

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